Der Besucherzahlen-Rechner - oder: Wie man Thermen-Besucherzahlen schön rechnen kann - am Beispiel Gesundheits-Therme Schleswig
NDR Extra 3: Die überflüssigsten Thermen in Schleswig-Holstein
Platz 1: Keitum Therme Sylt
Platz 2: Campusbad Flensburg
Platz 3: Fördeland Therme Glücksburg
Favorit der Folgesendung: Gesundheitstherme Schleswig
Presse Carolus Thermen Aachen
Quelle: Aachener Nachrichten
16.05.2001
Aufsichtsrat der Kur- und Badegesellschaft tagt wöchentlich
Aachen (an-o). Jetzt soll nicht länger gekleckert, sondern geklotzt werden: Um die neue Therme zu füllen, werden die Mittel fürs Marketing auf fast eine Million Mark verdoppelt. Ansonsten scheinen sich die düsteren finanziellen Prognosen allesamt zu bestätigen.
Im Augenblick tagt der Kuba-Aufsichtsrat im Wochen-Rhythmus, am Mittwoch war es wieder so weit. Wichtigstes Ergebnis: Die Besucherzahlen im Badeparadies müssen unbedingt steigen, daher wird entgegen bisheriger Planung "jetzt sofort" eine flächendeckende Werbeaktion in Szene gesetzt "und im Herbst noch einmal", so Aufsichtsratsvorsitzender Heiner Höfken. Eine "richtige Offensive" soll es werden, denn: "Es muss mehr getan werden als wir wollten."
Was unter anderem bedeutet, dass der von Geschäftsführer Werner Schlösser fürs erste Geschäftsjahr errechnete Zuschussbedarf bei satten sechs bis 6,5 Millionen Mark liegen dürfte, sehr viel höher als die erwarteten 1,75 Millionen ("pessimistisch gerechneten" Einnahmen von sieben Millionen stehen Ausgaben von 13 Millionen gegenüber). Bezahlt werden muss das Defizit aus dem städtischen Haushalt.
"Der Kämmerer wird die Mittel bereit stellen, eine Streichorgie an anderen Stellen darf es nicht geben", betonte Höfken, zugleich SPD-Fraktionschef, in Gegenwart und mit Zustimmung seiner Aufsichtsratskollegen aus den anderen Parteien. Günter Schabram von den Grünen macht da keine Ausnahme: Die Grünen waren zwar immer gegen eine Therme, jetzt aber, so Schabram, "müsse man auf die Tube drücken", um sie so bekannt und attraktiv wie möglich zu machen.
Längere Öffnungszeiten, vielleicht schon ab der nächsten Woche, sollen zum Erreichen des Ziels beitragen.
Zweites Problem: Die Baukosten steigen um 15 auf 76,5 Millionen Mark, der letzte Nachschlag von fünf Millionen ist noch nicht finanziert. Der Aufsichtsrat will dem Gesellschafter, der Stadt Aachen, vorschlagen, für ein Darlehen in genannter Höhe zu bürgen. Ob das so kommt, entscheidet die Gesellschafterversammlung am kommenden Montag.
Trotz der schweren finanziellen Turbulenzen, die zum Teil vom Rechnungsprüfüngsamt untersucht werden, herrscht an der Passstraße keine Weltuntergangsstimmung. Die Devise lautet: Die Therme ist jede verbaute Mark wert, sie ist über die Maßen gelungen und muss daher mit Leben gefüllt werden. Höfken formulierte es gestern so: "Selbst wenn wir jedes Jahr auf einem Zuschuss hängen bleiben, muss sich eine Stadt wie Aachen eine solche Einrichtung leisten."
Schlösser: "Die Leute, die hier waren, sind alle begeistert. Man muss in die Köpfe bekommen, dass die Therme auch im Sommer schön ist".
Alfred Stoffels
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